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/ Taschentuch (4/9)
Eine Schwester kam zu uns rüber und erzählte uns, daß meine Freundin auser Lebensgefahr war. Mir fiel ersteinmal ein Stein vom Herzen, doch gleichzeitig fragte ich mich auch, wie ein Mensch, der versucht hat sich selber das Leben zu nehmen auser Lebensgefahr sein könnte. Es war eine von den Schwestern, die mir vorher ständig gesagt hatten, daß ich mich beruhigen müsse, und die ich nur angekeift hatte. Sie sagte mir auch, daß ich meine Freundin nicht vorm nächsten Morgen sehen könnte und meinte, daß es für mich wohl das Beste wäre mich ersteinmal zu Hause auszuschlafen, aber wenn ich wollte, könnte ich auch auf der Couch im Wartesaal übernachten. Als die Schwester wieder gegangen war erzählte ich dem Mann von der Frage, die mir kam. "Wie kann jemand, der versucht hat sich selbst das Leben zu nehmen auser Lebensgefahr sein?" "Ja," sagte er, "jemand der für sich selber eine Gefahr ist, ist doch ständig in Lebensgefahr. Wenn jemand sich umbedingt umbringen will, kann man ihn nicht davon abhalten." Er dachte einen kurzen Augenblick nach und sagte dann über die Absordität seines Gedankens leicht lachend: "Obwohl letztendlich genau das geschehen ist. Aus welchen Gründen auch immer Sie zu ihr gegangen sind, Sie haben es verhindert, daß sie sich das Leben nimmt. Verhindert haben Sie nicht, daß sie sich die Pulsadern aufgeschnitten hat, aber Sie haben den Notarzt geholt und verhindert, daß sie verblutet." Wir schwiegen uns 'ne Weile an. Schließlich fragte er mich: "Sie hatten vorhin gesagt, daß sie verstehen könnten, daß Ihre Freundin nicht mehr leben will und daß ihr Leben bisher beschissen gelaufen ist. Wollen Sie mir etwas mehr von ihr erzählen?" Ich wollte es. Es war mir sogar wichtig ihm zu erzählen, was sie alles in ihrem Leben ertragen mußte. Ich erzählte ihm, daß sie bei ihrem Vater aufgewachsen ist, und daß sie sich an ihre Mutter nicht errinnern konnte. Sie konnte über den Verbleib ihrer Mutter nur spekulieren. Jedesmal, wenn sie ihren Vater nach ihrer Mutter gefragt hatte, hatte sie ein "Keine Ahnung!" oder "Das interessiert mich nicht!" als Antwort bekommen. ihr Vater war Alkoholiker und er hatte sie ständig geschlagen, wenn er betrunken war. Er war sehr oft betrunken. Deshalb konnte sie verstehen, daß ihre Mutter nicht bei ihrem Vater geblieben ist. Aber unverständlich ist, wie die Mutter sie als Baby beim alkoholabhängigen prügelnden Arschloch lassen konnte. "Doch am schlimmsten fand sie es, wenn er nüchtern war." sagte ich. "Wenn er nicht betrunken war, war es ihm immer wichtig sich bei ihr zu entschuldigen. Und er wollte ihr dann immer zeigen, daß sie seine Tochter ist, sein Baby und daß er sie liebt. Und daß hat er..." Meine Stimme fing an zu beben, ich stockte und sie Emotionen schossen in mir hoch. Ich hatte einen riesen Kloß im Hals und bekam feuchte Augen. "Er hat ihr es..." fuhr ich fort und fing dabei zu weinen an. "Er hat es ihr immer körperlich gezeigt." "Er hat also ständig seine eigene Tochter vergewaltigt?" fragte der sympatische Mann mit den Taschentüchern nach und bot mit wieder eins an. "Schlimmer!" sagte ich, was er nich verstand und ich versuchte ihm zu erklären, was ich meinte. Meine Freundin konnte sich nicht daran errinnern sich jemals gegen den sexuellen Kontakt das Vaters gewehrt zu haben. Sie haßte es, wenn seine Hände zärtlich durch ihre Haare glitten, wenn er sie auf die Stirn küßte und mit den Fingern sanft über ihr Gesicht strich. Es ekelte sie seine Lippen auf ihren, seine Zunge in ihrem Mund und seine Hände und Körper an ihrem zu spüren. Es wiederte sie zutiefst an, daß er in sie eindrang. Doch sie ließ es zu. Sie kannte es nur so und wußte nicht, daß ihr vom Vater Unrecht angetan wurde. Sie dachte, daß es so sein müßte. Sie hatte nicht das Gefühl, daß ihr Vater sie zu etwas Zwang, sondern sie empfand ihren Ekel als falsch und unangebracht, schämte sich dafür und wußte ihn zu verstecken. Mein Zuhörer hatte ziemlich entsetzt meinen Ausführungen gelauscht. Schockiert und ungläubig fragte er: "Sie fand es normal, daß ihr Vater sie bumpst?" "Für sie war es das natürlichste auf der Welt."
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